Freitag, 10. Februar 2017

Auswandern in die USA

Wer ans Auswandern in die USA denkt, muss eine Menge Dinge berücksichtigen. Dieser Artikel soll als Einführung in das komplexe Thema dienen. Wer sich ernsthaft für eine Auswanderung oder einen längeren USA-Aufenthalt entscheidet, kann ganz ausführliche Informationen in meinem Buch Alltag in Amerika. Leben und Arbeiten in den USA finden, das es mittlerweile in der 5. Auflage gibt und in das meine Erfahrungen aus 22 Jahren in den USA eingeflossen sind.

Mit welchem Visum in die USA?

Grundsätzlich gibt es zwei Visa-Kategorien: Einwanderungsvisa und Nichteinwanderungsvisa.

Einwanderungsvisa ermöglichen einen zeitlich unbegrenzten Aufenthalt und berechtigen gleichzeitig zum Arbeiten in den USA. Einwanderungsberechtigt sind u.a. die Ehepartner, minderjährigen Kinder und Eltern von US-Staatsangehörigen. Ein Einwanderungsvisum kann man aber auch durch die Teilnahme an der Green Card Lotterie oder als Investor, der mindestens 500.000 Dollar investieren und zehn Vollzeitarbeitsplätze schaffen will, bekommen.

Nichteinwanderungsvisa gibt es für Besuche, die länger als 90 Tage dauern sollen, für den Besuch einer amerikanischen High School bzw. ein Studium, für Praktika, Ferienjobs, Au-Pair und befristete Beschäftigungen bzw. Handels- und Geschäftsaktivitäten in den USA.

Ausführliche Informationen zu den verschiedenen Visa, zum Erhalt einer amerikanischen Sozialversicherungsnummer und zum Erhalt der amerikanischen Staatsbürgerschaft (bei gleichzeitiger Beibehaltung der deutschen Staatsangehörigkeit) gibt es in Alltag in Amerika.

Finanzielle Aspekte des Auswanderns

Die finanziellen Mittel, die einem für die Anfangsphase in den USA zur Verfügung stehen, entscheiden ganz wesentlich darüber, wie stressig die Auswanderung wird. Wer sich bereits eine gut bezahlte Arbeit gesichert hat, wird davon zwar weniger betroffen sein, als jemand der sich noch einen Job suchen muss, jedoch sollte man unbedingt damit rechnen, dass z.B. Lebensmittel in den USA teurer sind als in Deutschland, dass man beim Arzt und für Medikamente deutlich mehr ausgeben muss, und dass man als Neuankömmling wahrscheinlich Kautionen für Wohnung, Strom und Gas sowie Internet und Telefon hinterlegen muss. Der Grund dafür ist die fehlende Credit History, was es anfangs auch so gut wie unmöglich macht, etwas auf Kredit zu kaufen.

Zum Weiterlesen: Wie man sich eine Credit History in den USA aufbaut

Umzug in die USA

Wenn man ausreichende finanzielle Mittel hat, kann man eine Spedition mit dem Transport des Hausrats beauftragen. Man sollte jedoch auf jeden Fall daran denken, dass viele Elektrogeräte in den USA nicht oder nur umständlich betrieben werden können, dass Wohnungen in den USA bereits eingebaute Küchen und meistens auch begehbare Kleiderkammern haben und dass die Einfuhr von Autos sehr kompliziert ist. Auch die Einfuhr von Pflanzen ist streng geregelt.

Für Hund und Katze benötigt man englischsprachige Gesundheitszeugnisse, inklusive einer Bescheinigung, dass mindestens 30 Tage vor der Einreise in die USA eine Tollwutimpfung vorgenommen wurde.

Die Einfuhr anderer Tiere, wie Schildkröten und Nagetiere, ist strenger geregelt. Vögel müssen 30 Tage in Quarantäne verbringen, was nur an drei Flughäfen (JFK New York, Miami und Los Angeles) möglich ist und vorab angemeldet werden muss.

Wohnungssuche und Hauskauf in den USA

Das Angebot an Mietwohnungen ist in der Regel groß und die Preisunterschiede sind enorm. Man sollte sich Wohnung und Umfeld genau anschauen bevor man einen Mietvertrag, der normalerweise eine Dauer von einem Jahr hat, unterschreibt.

Zum Weiterlesen: Wohnung mieten in den USA – 10 Dinge, die man unbedingt beachten sollte

In Sachen Hauskauf in den USA sollte man nichts überstürzen. Man ist gut beraten, sich erst einmal mit den Gegebenheiten vor Ort vertraut zu machen, und dann die kostenlose Hilfe eines Immobilienmaklers heranzuziehen. (In den USA teilen sich der Makler des Verkäufers und der Makler des Käufers die Provision, die immer vom Verkäufer gezahlt wird.) Man sollte sich in Ruhe verschiedene Immobilien anschauen und bei Interesse den Preis herunterhandeln. Umfangreiche Informationen dazu gibt es in meinem Buch Immobilien in den USA: Ratgeber für alle zukünftigen Wohneigentümer.

Arbeitssuche und Bewerbung

Man sollte nicht nur die USA-typischen Besonderheiten bei der Bewerbung beachten, die in Alltag in Amerika ganz ausführlich dargestellt werden, sondern auch daran denken, dass der potentielle Arbeitgeber die Namen der Bewerber googelt und sich anschaut, ob das Profil bei LinkedIn aussagekräftig ist und was man so in den sozialen Medien von sich gibt.

Ein gut ausgebautes Profil bei LinkedIn kann auch dazu führen, dass ein Recruiter, also ein Jobvermittler, auf einen aufmerksam wird. Auf diesem Weg kann man durchaus einen attraktiven Job landen. Vorsicht vor schwarzen Schafen: Ein legitimer Recruiter wird immer vom zukünftigen Arbeitgeber bezahlt und fragt auch nicht nach der Sozialversicherungsnummer.

Bei der Bewerbung sollte man sich nicht unter Wert verkaufen und im Bewerbungsgespräch kommt es gut an, Erfolgsbeispiele parat zu haben und auch darlegen zu können, wie man mit schwierigen Situationen umgeht.

Urlaub und Feiertage

Man sollte darauf gefasst sein, in den USA wesentlich weniger Urlaub als in Deutschland zu haben. Zehn Urlaubstage im Jahr sind normal, fünfzehn schon recht gut. Nur wenige Arbeitgeber, wie z.B. Universitäten, bieten mehr Urlaub an.

Gesetzliche Feiertage gibt es nur für die Angestellten der Bundesregierung. Die meisten Arbeitgeber geben dieselben Tage frei, sind dazu aber nicht verpflichtet. Fällt ein Feiertag aufs Wochenende, ist normalerweise der folgende Montag frei.

Soziale Absicherung in den USA

In den USA kann man von heute auf morgen und ohne Grund entlassen werden. Arbeitslosengeld gibt es in der Regel bis zu sechs Monate, allerdings nur wenn man die Arbeit ohne eigenes Verschulden verloren und zuvor eine bestimmte Anzahl von Tagen gearbeitet hat. Die Regelungen unterscheiden sich von Bundesstaat zu Bundesstaat. Man ist auf jeden Fall gut beraten, ein finanzielles Polster für mehrere Monate zurückgelegt zu haben.

Sozialhilfe wird nur an jene gezahlt, die sich um eine Arbeit bemühen, und ist oft auf fünf Jahre im Leben beschränkt.

Das Rentenalter beginnt nach Vollendung von 65 Jahren für alle, die vor 1959 geboren wurden und mit 67 Jahren für alle, die seit 1959 das Licht der Welt erblickt haben. Viele Amerikaner investieren in eine private Altersvorsorge, um die staatliche Rente aufzubessern.

Übrigens ist die USA eines von ganz wenigen Ländern, die keinen gesetzlichen Mutterschutz-Urlaub haben. Nur Arbeitgeber mit mehr als 50 Mitarbeitern sind verpflichtet, den Arbeitsplatz der Mutter für drei Monate freizuhalten. Kein Arbeitgeber ist verpflichtet, Lohn oder Gehalt weiter zu zahlen.

Das amerikanische Gesundheitswesen

Das Gesundheitswesen in den USA ist komplizierter und teurer als in Deutschland. Seit 2014 ist man verpflichtet, eine Krankenversicherung abzuschließen. Alle Krankenversicherungen laufen über private Anbieter und es gibt erhebliche Unterschiede bei den Preisen und Leistungen. Für untere Einkommensschichten gibt es die Möglichkeit von Geldzuschüssen, sodass man ausgewählte Versicherungen preiswerter bekommen kann. Allerdings akzeptiert nicht jeder Arzt diese Versicherungen.

Dieses wichtige Thema, über das man sich gründlich informieren sollte, wird ebenfalls ausführlich in diesem Buch behandelt:

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Ich hoffe, dass dieser Beitrag dabei hilft, Gedankenanstöße zum dem umfangreichen Thema Auswandern in die USA zu geben. Natürlich befindet sich jeder in einer individuellen Lebenssituation, aber die oben angesprochenen Bereiche sollte man auf jeden Fall berücksichtigen.

Samstag, 28. Januar 2017

Kabelbahnen in Chicago

Wenn man das Wort Kabelbahn hört, denkt man sofort an San Francisco, dem einzigen Ort, wo heute noch Kabelstraßenbahnen verkehren, die durch ein Umlaufseil angetrieben werden.

Kaum bekannt ist, dass es Ende des 19. Jahrhunderts in 29 amerikanischen Städten Kabelbahnen gab, von denen Chicago mit 66 km das zweitlängste Streckennetz hatte. (San Francisco hatte damals rund 8o km, heute sind es nur noch 8 km.) Kabelbahnen wurden also nicht nur in bergigem Gelände, wie in San Francisco, eingesetzt, sondern auch in flachen Städten wie Chicago.

 
Kabelbahnen lösten Pferdebahnen ab und wurden dann wiederum von elektrischen Straßenbahnen ersetzt. Ende des 19. Jahrhunderts existierten in vielen amerikanischen Großstädten alle drei Technologien nebeneinander. Insgesamt war das Leben der Kabelbahnen allerdings recht kurz, in Chicago z.B. fuhren sie von 1882 bis 1906.

 
Angetrieben wurden die meilenlangen Seile, die zwischen den Schienen unter der Erde verliefen, durch zentrale Dampfmaschinen. Die Seile liefen während der Betriebszeit ohne Unterbrechung und die Straßenbahntriebwagen konnten sich mit einer Greifvorrichtung mit dem Seil verbinden und so ziehen lassen. An Haltestellen und an Kreuzungen wurde diese Verbindung unterbrochen und die Wagen konnten gebremst werden.

Die Greifvorrichtung, die von dem Fahrer bedient wurde, war durch ein schmales Gestänge, das durch einen Spalt zwischen den Schienen passte, mit dem Wagen verbunden. Dieser Spalt musste sehr schmal sein, damit sich die zahlreichen Pferde im Straßenverkehr nicht die Beine brachen.

Anders als San Francisco war Chicago flach und lag in einem nördlichen Klima, mit Eis und Schnee im Winter. Nachdem Kabelbahnen auch hier erfolgreich eingeführt wurden, folgten zahlreiche andere Städte mit ähnlichen Bedingungen, z.B. St. Louis und New York. So fuhr von 1883 bis 1908 eine Kabelbahn über die Brooklyn Bridge.

Heute gibt es in Chicago kaum noch Spuren der Kabelbahnen. Dieses Gebäude in der LaSalle Street beherbergte ursprünglich eine der gewaltigen Dampfmaschinen, mit denen die Kabel angetrieben wurden:

In meinem Auswanderer-Krimi "Mit Müh und Not", der 1886 in Chicago handelt, kommen natürlich auch Kabelbahnen vor.

Donnerstag, 5. Januar 2017

So langsam wird wirklich eine Auswanderersaga daraus

Im Klappentext des ersten Auswanderer-Krimis steht:

Mit "Hoffnung ist ein weites Feld" beginnt eine Auswanderersaga, die dem Leben der Familie Sievers sowie ihrer Verwandten, Freunde und Nachbarn von den 1880er Jahren bis ans Ende des Zweiten Weltkriegs folgen wird.

Eine solche Buchserie ist natürlich ein enormes Unterfangen, zumal der erste Band im Jahr 1881 handelt, der zweite 1883 und der dritte 1886. Wenn die Zeitabstände so fortgesetzt würden, kämen am Ende rund zwanzig Bände dabei heraus. Einige Leser hätten sicher nichts dagegen, aber ob der Autor das durchhält, ist eine andere Frage, zumal es möglicherweise auch zwanzig Jahre dauern würde, diese Bücher zu schreiben. :-)

Für den vierten Band ist deshalb möglicherweise ein Zeitsprung zu erwarten. Den Figuren der ersten drei Bücher etwa 10-15 Jahre später zu begegnen, könnte sicher sehr interessant sein. Wie haben sie sich entwickelt, welche Konflikte gibt es zwischen den eingewanderten Eltern und ihren in Amerika aufgewachsenen Kindern, wie gehen alle zusammen mit den veränderten ökonomischen und gesellschaftlichen Bedingungen um?

Da ich als Autor ja gründlich darüber nachdenken muss, was in der Zwischenzeit geschieht, kann ich mir auch vorstellen, dass es einige kürzere Erzählungen, die zeitlich zwischen die Auswanderer-Krimis fallen, als E-Books geben könnte.

Montag, 19. Dezember 2016

Ice Fishing

Eine der liebsten Winterbeschäftigungen von Männern in den nördlichen Bundesstaaten ist das Angeln auf zugefrorenen Seen.

Sobald das Eis dick genug ist, wagen sie sich mit einer umfangreichen Ausrüstung auf den See. Ein benzingetriebener Riesenbohrer ist auf jeden Fall mit dabei, denn das Eis ist oft mehr als 30 Zentimeter dick. In der Regel bringt man auch ein leicht aufklappbares Spezialzelt mit, das einen schlittenartigen Untersatz hat und sich so leicht über den zugefrorenen See ziehen lässt.

Auf Seen, die dichter an der Grenze zu Kanada liegen und die länger zugefroren sind, werden auch regelrechte Hütten über das Loch im Eis gestellt und die Angler fahren mit dem Pickup auf den See. (Hin und wieder berichten die Medien von eingebrochenen Fahrzeugen.)

Die Zelte und Hütten schützen nicht nur vor dem eisigen Wind, sondern auch vor den Augen des Gesetzes. Die Angler verzehren nämlich mit Vorliebe Alkoholisches während sie am Eisloch sitzen, aber das Trinken in der Öffentlichkeit ist in den USA verboten und wird mit hohen Strafgeldern geahndet, und das gilt auch beim Angeln an und auf Gewässern.

Freitag, 9. Dezember 2016

Seniorensport im Einkaufszentrum

"Wer rastet, der rostet" scheint das Motto der meisten Senioren in den USA zu sein.

Sie arbeiten nicht selten über das Rentenalter hinaus, fahren noch als Achtzigjährige Auto, unternehmen Reisen, wenn sie es sich leisten können, und sind sportlich aktiv, so lange es die Gesundheit irgendwie erlaubt. In der amerikanischen Gesellschaft wird das alles als völlig normal betrachtet und eine Ausgrenzung von alten Menschen ist den Amerikanern vollkommen fremd.

Ältere Menschen, die in Gegenden wohnen, wo es zu kalt oder zu heiß ist, um im Freien aktiv zu sein, funktionieren die riesigen shopping malls in kostenlose Fitness-Zentren um. Bevor die Geschäfte aufmachen, drehen die Senioren mit forschem Schritt einige Runden in den langen Fluren. Die Betreiber der Malls haben nichts dagegen, denn so mancher der mall walkers kauft, bevor er nach Hause fährt, einen Kaffee oder macht andere Besorgungen. Die meisten Malls öffnen daher ihre Haupteingänge eine Stunde bevor die Geschäfte aufmachen. Einige bieten zudem auch Morgengymnastik mit Musik und Anleitung an.

Dienstag, 6. Dezember 2016

Rail Trails - Erholung auf alten Eisenbahnstrecken

Was macht man mit stillgelegten Eisenbahnstrecken? Einfach so vor sich hinrotten lassen? Das landesweite Rails-to-Trails-Programm bietet eine schöne Lösung.

Alte Eisenbahnstrecken werden durch das Entfernen der Schienen und das Aufbringen einer Asphaltschicht in Wege umgewandelt, auf denen man Rad fahren, skaten und wandern kann. Die auf den alten Eisenbahnstrecken entstandenen Rad- und Wanderwege verlaufen quer durch das Land: durch Felder, Wälder, Städte und über alte Eisenbahnbrücken.

Rail Trails liegen zumeist abseits der Straßen mitten in der Natur. Das erhöht die Lebensqualität der Menschen vor Ort und fördert den Tourismus. Besonders in Städten ermöglichen sie vielen Leuten, mit dem Rad zur Arbeit oder zu einer Haltestelle des Nahverkehrs zu fahren. Die Schaffung von Jobs in kleinen Geschäften und Restaurants entlang der Strecken ist ein positiver Nebeneffekt.

Seit 1986 wurden 1.904 Rad- und Wanderwege mit einer Länge von mehr als 22.000 Meilen geschaffen. Mehr als 700 weitere Projekte befinden sich in der Planung. Der längste Rail Trail ist der John Wayne Pioneer Trail im Bundesstaat Washington mit einer Länge von 253 Meilen.