Montag, 26. September 2016

Warum schreibe ich über deutsche Siedler in der Prärie?

Das Leben deutscher Einwanderer in den nordamerikanischen Präriestaaten beschäftigt mich seit Mitte der 1990er Jahre. Damals heiratete ich eine Amerikanerin, die in South Dakota geboren war, und wir lebten eine Zeitlang selbst mitten in der Prärie. Allerdings hielten wir die Wetterextreme und die Einsamkeit dort nicht aus und zogen wieder fort.

Ich habe mir seitdem viele Gedanken darüber gemacht, wie sehr die Siedler um 1880 motiviert gewesen sein mussten, um diese Lebensbedingungen auf sich zu nehmen. Die ungewohnt heißen Sommer, die schneereichen und bitterkalten Winter sowie das einsame Leben mitten auf ihren Feldern waren für sie offenbar immer noch besser, als das Leben in Abhängigkeit, dem sie entflohen waren. Die Verlockung eines freien Lebens auf eigenem Land war ohne Zweifel der Antrieb dafür, dass sie sich durch nichts unterkriegen ließen.

Die Großeltern meiner damaligen Frau hatten ihr ganzes Leben in South Dakota verbracht. Die beiden waren um 1910 geboren und hatten direkten Kontakt mit der Zeit, in der "Hoffnung ist ein weites Feld" und "Man erntet, was man sät" handeln. Die Großmutter lebte als Kind in einer aus Grasblöcken gebauten Hütte, so wie die Siedler in meinen Büchern. Der Großvater stammte aus einer deutschen Einwandererfamilie, sein Vater und sein Onkel sprachen untereinander Deutsch. Die plattdeutschen Sätze, an die sich der Großvater noch erinnern konnte, stellten eine lebende Verbindung zu der Zeit der Siedler dar.

Über die Jahre habe ich dann unzählige amerikanische und kanadische Bücher über das Leben der Einwanderer gelesen und Museen zu diesem Thema besucht. Obwohl die Personen und Handlungen meiner Auswanderer-Krimis erfunden sind, ist es mir sehr wichtig, den historischen Hintergrund und das Leben der Einwanderer richtig darzustellen.

Die Hauptfiguren der Serie, die Mitglieder der Familie Sievers, sind wie ich aus Mecklenburg nach Amerika ausgewandert. Über die Verhältnisse in Mecklenburg zu jener Zeit habe ich schon als Kind gelesen und ich wusste auch, dass viele Mecklenburger nach Amerika ausgewandert waren. Dass auch Zehntausende Russlanddeutsche ins Dakota-Gebiet gingen und erst Amerikadeutsche und dann Amerikaner bzw. Kanadier wurden, gehörte jedoch zu jenen Dingen, die ich erst im Laufe der Recherche erfuhr und die mich seitdem nicht mehr losgelassen haben.

Auswanderer-RomaneMit den Auswanderer-Krimis möchte ich deshalb nicht nur spannende Unterhaltung bieten, sondern mit euch, liebe Leser, in eine Welt eintauchen, die in der deutschen Literatur bisher kaum Beachtung fand.

Die Geschichte der Amerikaner ist auch unsere Geschichte.

In diesem Sinne wünsche ich euch viel Freude beim Lesen!

Freitag, 9. September 2016

Grain Elevators: Wolkenkratzer der Prärie

Getreidesilos sind die höchsten Gebäude im ländlichen Amerika. Sie sind nicht nur architektonisch vielfältig, sondern zugleich ein Spiegelbild verschiedener Epochen in der Geschichte amerikanischer Landwirtschaft.

Die hölzernen Grain Elevators, die man in den Präriestaaten der USA und in den Prärieprovinzen Kanadas in beinahe jeder Kleinstadt sieht, entstammen der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Sie stehen fast immer in zentraler Lage und direkt neben den Eisenbahngleisen. Alle sechs bis zehn Meilen konnte man ursprünglich im Meer der Getreidefelder eine Stadt mit Eisenbahnanschluss und Grain Elevator finden. Das war genau jene Entfernung, die die Farmer mit ihren Pferdegespannen schaffen konnten und die zugleich versicherte, dass sich kein konkurrierendes Eisenbahnunternehmen einfand.

Eisenbahnbau, Stadtgründung und Errichtung eines Grain Elevators gingen oft Hand in Hand. Die Silos dienten zum Wiegen und Aufkauf sowie zur Lagerung und Verladung des Getreides. Ein Fahrstuhlmechanismus im Inneren transportierte das Getreide in Lagerkammern, daher der Begriff Grain Elevator (grain=Getreide, elevator=Fahrstuhl). Angetrieben wurde der Mechanismus erst durch Pferde, dann durch Dampfmaschinen, Verbrennungsmotoren und schließlich durch Elektromotoren.

Heutzutage sind viele dieser hölzernen Getreidesilos verlassen und verfallen, ganz so wie viele Farmen. Mit der Mechanisierung im letzten Jahrhundert wurde die Landwirtschaft in zunehmender Weise industrialisiert. Dieser Trend zur Automatisierung setzt sich auch heute fort. Die noch existierenden landwirtschaftlichen Betriebe bewirtschaften immer größer werdende Flächen. Die verfallenen Grain Elevators sind daher zugleich Sinnbild des goldenen Zeitalters der Familienfarm als auch ihres Niedergangs.

Im 20. Jahrhundert ersetzte Beton den Baustoff Holz. Als Lastkraftwagen die Pferdegespanne ablösten, wurden auch die Abstände zwischen den Getreidesilos größer. Nicht nur viele der alten Silos verfielen, oft verschwanden die kleinen Städte mit ihnen.

Viele schöne Fotos von alten Getreidesilos in Nordamerika gibt es hier auf Pinterest.

Falls ich euer Interesse an der ländlichen Geschichte der USA geweckt habe:


Nord-Dakota im Sommer 1881. Tausende deutschsprachige Einwanderer erhalten von der US-Regierung kostenloses Ackerland in der scheinbar endlosen Prärie. Geschäftsleute mit großen Träumen gründen mitten in den frisch besiedelten Landstrichen kleine Städte, die sich innerhalb weniger Jahre zu ländlichen Zentren des Wohlstands entwickeln sollen. Himmelsfeld ist einer dieser Orte. Doch der friedliche Name täuscht. Alte und neue Rechnungen, die es zu begleichen gilt, führen zu Mord und Totschlag.

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Mittwoch, 7. September 2016

Cider Mill: Frischer Apfelsaft und Donuts

Zur Erntezeit im September und Oktober besuchen viele Amerikaner, besonders im Mittleren Westen und im Nordosten, eine Cider Mill, d.h. eine Mosterei in der man ungefilterten, frisch gepressten Apfelsaft bekommen kann. Nicht selten sind Cider Mills an U-Pick-Farms angeschlossen, also Obstplantagen auf denen man selbst pflücken darf. So gut wie immer gibt es auch frische Donuts und andere Leckereien zu kaufen. Fahrten auf dem Heuwagen gehören ebenfalls oft zum Rahmenprogramm. Mitunter wird auch mal ein Riesenkürbis ausgestellt, so wie hier in Michigan:

In den USA ist apple cider grundsätzlich alkoholfrei. Alkoholhaltiger cider wird hier als hard cider bezeichnet. Völlig unbehandelter Apfelsaft wird als raw cider angeboten und muss wie alle nicht pasteurisierten Säfte mit einer entsprechenden Warnung gekennzeichnet sein, um Menschen mit geschwächtem Immunsystem zu schützen.

Die USA sind übrigens nach China der zweitgrößte Apfelproduzent der Welt. Die Bundesstaaten Washington, New York und Michigan führen die Erntestatistik innerhalb des Landes an. Die beliebtesten Apfelsorten sind Cortland, Red Delicious, Golden Delicious, Empire, Fuji, Gala, Ida Red, Macoun, McIntosh, Northern Spy und Winesap.

Dienstag, 6. September 2016

Wachsame Nachbarn: Neighborhood Watch

In den USA organisieren die Einwohner einer Straße oft eine Neighborhood Watch um Einbrüche zu verhindern. Die National Sheriffs’ Association unterstützt diese Nachbarschaftswachen und sieht in ihnen eine wirksame Methode zur Verhinderung von Straftaten, insbesondere Eigentumsdelikten.

Das Vorhandensein einer solchen Initiative ist leicht an den nahe von Straßenkreuzungen angebrachten Schildern mit der Aufschrift Neighborhood Watch zu erkennen. Sie warnen potentielle Straftäter, dass die Einwohner der Straße besonders wachsam sind und auf verdächtige Personen achten.

Die örtliche Polizei führt regelmäßig Veranstaltungen mit den Mitgliedern durch, auf denen sie über Kriminalitätsformen und deren Vorbeugung informiert. Die Bürger werden jedoch grundsätzlich dazu angehalten, auf keinen Fall selbst einzuschreiten, sondern die Polizei zu rufen.

Nicht immer halten sich die Leute jedoch daran und die Auseinandersetzungen zwischen ihnen und den ihrer Meinung nach verdächtigen Personen gehen mitunter böse aus. In die Schlagzeilen geraten diese Konflikte, wenn die Hautfarbe der verdächtigten Personen eine Rolle spielt, genauer gesagt wenn Schwarze in einer hauptsächlich von Weißen bewohnten Nachbarschaft von den Einwohnern konfrontiert werden.

Donnerstag, 1. September 2016

Was ist eine County Fair bzw. State Fair?

Kurz gesagt: Eine im Landkreis (county) bzw. im Bundesstaat (state) durchgeführte Veranstaltung, die eine Mischung aus Volksfest und Landwirtschaftsausstellung ist. Ein Besuch lohnt sich und besonders Kinder haben hier viel Spaß.

Ein fester Bestandteil von County Fairs ist die Bewertung von landschaftlichen Nutztieren, die von Kindern und Jugendlichen gehalten wurden. In den USA gibt es 90.000 4-H Clubs in denen 6,5 Millionen Kinder und Jugendliche Kenntnisse in Sachen Landwirtschaft erwerben. 4-H steht für head, heart, hands, health.

Auch kann man oft alte Traktoren in Augenschein nehmen. Zum Unterhaltungsprogramm gehören oft Tractor Pulling (Video), Demolition Derbies und/oder Rodeos sowie Live-Shows von Bands.

P.S. Die Helden meines Buches Fettnäpfchenführer USA besuchen in einem der letzten Kapitel die County Fair in Chelsea (Michigan), auf der ich das obige Foto gemacht habe.

Donnerstag, 4. August 2016

Die Renaissance der Food Trucks

In den USA machen Food Trucks gegenwärtig mehr als eine Milliarde Dollar Umsatz im Jahr. Nicht schlecht für einen Gewerbezweig, der eigentlich aus der Not heraus wiederbelebt wurde.

Während der jüngsten Wirtschaftskrise schlossen viele Restaurants und zahlreiche Köche verloren ihre Arbeit. Zugleich lag die Bauwirtschaft am Boden und viele rollende Imbissstände, die die Bauarbeiter zu Mittag mit einfachen Speisen versorgten, standen ungenutzt herum.

Arbeitslose Köche machten sich daraufhin zunehmend selbständig, indem sie einen solchen Truck preiswert kauften und ihre auf Restaurantniveau stehenden Speisen aus dem Fenster eines solchen Fahrzeuges heraus vor Bürogebäuden zu verkaufen begannen. Die Namen der besonders guten Gourmet Food Trucks sprachen sich herum und über Twitter oder Facebook konnte man erfahren, wo man die Trucks, die oft ihren Standort wechselten, finden konnte. Begonnen hat diese Renaissance in den Großstädten an der Ost- und Westküste und hat sich dann über das ganze Land ausgebreitet.


Renaissance deshalb, weil das Ganze eigentlich nichts Neues ist, denn den ersten Food Truck, der damals noch von Pferden gezogen wurde, gab es bereits 1872 in Providence, Rhode Island, und ab 1887 wurde motorisierte Food Trucks, die damals noch Lunch Wagons hießen, in Serie gebaut. Auch damals schon hielten sie vor Bürogebäuden.

Vom Diner verdrängt, dienten die rollenden Kantinen jedoch im 20. Jahrhunderts fast ausschließlich der Versorgung von Arbeitern direkt vor den Fabriktoren und Baustellen. Jetzt aber haben sie ihren Weg wieder in die Innenstädte gefunden und werden mitunter auch für Sportereignisse, Freiluftkonzerte und andere Veranstaltungen genutzt.




Samstag, 30. Juli 2016

Maisanbau in den USA

Wer durchs ländliche Amerika fährt, insbesondere im Mittleren Westen, kann sie nicht übersehen: Maisfelder sind überall. Mais wird angebaut, um Tiere zu füttern, Treibstoff zu erzeugen und Lebensmittel herzustellen.

Die U.S.-Anbaufläche für Mais (engl. corn) beträgt rund 400.000 Quadratkilometer und ist damit in etwa so groß wie Deutschland und die Schweiz zusammen genommen. Sojabohnen liegen knapp dahinter, die Anbaufläche von Weizen ist jedoch nur halb so groß wie für Mais. Für den Maisanabau allein werden jedes Jahr rund 23.000 Kubikkilometer Wasser verwendet, das ist in etwa die Wassermenge in den Großen Seen. Dazu kommen beinahe 6 Millionen Tonnen Düngemittel, die dann zum Teil ins Grundwasser, in die Flüsse und Seen und letztendlich auch Ozeane gelangen.

65% der Maisernte gehen in die Tiermast, 13 Prozent werden zur Erzeugung des Treibstoffes Ethanol verwendet und nur rund 12 Prozent werden von Menschen verspeist, wobei ein Großteil in die Herstellung von Maissirup (high fructose corn syrup) geht, der in den USA zum Süßen verwendet wird, vor allem in Brause- und Colagetränken. Maissirup fördert jedoch die Fettsynthese wesentlich stärker als herkömmlicher Zucker, der aus Zuckerrüben oder Zuckerrohr gewonnen und in Europa zum Süßen verwendet wird. Hier dürfte, neben der allgemeinen Bewegungsarmut, eine der Hauptursachen liegen, warum die meisten Einwohner der USA übergewichtig ist.

Donnerstag, 21. Juli 2016

Selber pflücken auf der U-Pick-Farm

Im deutschen Sprachraum gibt es zwar auch zunehmend Obstplantagen mit Selbsternte, in den USA jedoch sind diese schon seit Jahrzehnten der Normalfall und bilden oft das Geschäftsmodell des jeweiligen Obstbaubetriebes.

Der Besuch einer U-Pick-Farm ist eine nette Aktivität für die ganze Familie: Man ist an der frischen Luft, betätigt sich körperlich und geht mit Obst nach Hause, das frischer nicht sein könnte. Das kann man während der Erntezeit praktisch jedes Wochenende machen und dabei auch die Obstsorten abwechseln. Erdbeeren, Äpfel, Blaubeeren, Kirschen, Himbeeren und Pfirsiche kann man während der Sommermonate in den meisten Regionen der USA pflücken, in wärmeren Gebieten kommen auch noch Citrus-Früchte hinzu, wie z.B. Orangen in Florida.

Oft gibt es auf der U-Pick-Farm ("du-pflückst-Farm") zusätzliche Aktivitäten wie Fahrten mit dem Heuwagen und einen Streichelzoo.

Tipp: Auf PickYourOwn.org kann man U-Pick-Farms in seiner Nähe finden.


Zum Weiterlesen: 10 Dinge, die man in den USA getan haben sollte